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Fliesenfugen erneuern und verfugen: alte Fugen entfernen, neu einschlämmen

Wann Fugen erneuert werden müssen, welcher Fugenmörtel passt, wie du alte Fugen auskratzt, neu verfugst, Silikonfugen von Mörtelfugen unterscheidest und Fugen sauber hältst.

Fliesen halten oft Jahrzehnte, ihre Fugen nicht. Sie werden grau oder schwarz, bröckeln, saugen sich mit Feuchtigkeit voll oder bekommen Risse. Ein Bad mit dunklen, ausgewaschenen Fugen wirkt ungepflegt, auch wenn die Fliesen selbst noch einwandfrei sind. Die gute Nachricht: Fugen zu erneuern ist eine überschaubare Arbeit, die das Bad oder die Küche optisch fast wie neu aussehen lässt, ohne dass auch nur eine Fliese abgeschlagen werden muss.

Diese Anleitung erklärt, wann Fugen erneuert werden sollten, wie Mörtel- und Silikonfugen zusammenspielen, welches Material passt und wie du alte Fugen entfernst und neu verfugst.

Mörtelfugen und Silikonfugen: der Unterschied

FugenartWoMaterialEigenschaft
Mörtelfuge (starr)Zwischen den Fliesen in der FlächeZementärer Fugenmörtel oder EpoxidharzHart, nicht elastisch
Silikonfuge (elastisch)In Ecken, an Übergängen zu Wanne, Dusche, Waschbecken, Boden-Wand-AnschlussSanitärsilikonElastisch, nimmt Bewegungen auf

In Ecken und Anschlüssen gehört kein Mörtel, sondern Silikon, weil sich die Bauteile dort gegeneinander bewegen. Mörtel würde dort reißen. Wie man Silikonfugen erneuert, steht in Silikonfugen erneuern.

Wann müssen Fugen erneuert werden?

  • Fugen bröckeln oder lassen sich mit dem Fingernagel herauskratzen.
  • Risse in den Fugen.
  • Dauerhafte Verfärbungen, die sich auch mit gründlicher Reinigung nicht entfernen lassen.
  • Schimmel, der in den Mörtel eingewachsen ist.
  • Feuchte Stellen hinter den Fliesen, die durch undichte Fugen entstehen.

Bei nur oberflächlich verschmutzten Fugen hilft zuerst eine gründliche Reinigung (siehe unten).

Das richtige Material

FugenmörtelEigenschaftenEinsatz
Zementärer Fugenmörtel (Standard)Günstig, leicht zu verarbeitenWände und Böden in Wohnräumen, Küchen
FlexfugenmörtelMit Kunststoffzusätzen, leicht verformbarBöden mit Fußbodenheizung, großformatige Fliesen, Holzuntergründe
Wasserabweisender FugenmörtelWeniger saugfähigBäder, Duschen
EpoxidharzfugeSehr hart, chemikalien- und schmutzbeständigDuschen, Küchenrückwände, stark beanspruchte Böden; schwieriger zu verarbeiten

Fugenbreite beachten: Für schmale Fugen (unter 2 bis 3 mm) feinkörnigen Mörtel verwenden, für breite Fugen einen mit gröberem Korn. Die Packung nennt den geeigneten Bereich.

Farbe: Fugenmörtel gibt es in vielen Farben. Grau oder Beige verzeihen Verschmutzungen eher als Weiß.

Werkzeug

  • Fugenkratzer (Hartmetall) oder ein oszillierendes Multitool mit Fugenblatt.
  • Staubsauger.
  • Gummischieber oder Fugbrett mit Gummiauflage.
  • Fugenschwamm (grobporiger Schwamm) und Eimer mit klarem Wasser.
  • Anrühreimer und Rührquirl.
  • Fugeisen oder Fugholz zum Glätten (optional).
  • Schutzbrille, Atemschutz (beim Auskratzen), Handschuhe.
  • Malerkrepp zum Schutz angrenzender Flächen.

Schritt 1: Alte Fugen entfernen

  1. Fliesen schützen: Badewanne, Duschtasse und Armaturen abdecken.
  2. Fugen auskratzen: Mit dem Fugenkratzer die alte Fuge mindestens 2 bis 3 mm tief, besser zwei Drittel der Fliesendicke, herauskratzen. Gleichmäßig und mit wenig Druck arbeiten, damit die Fliesenkanten nicht abplatzen.
  3. Mit dem Multitool geht es schneller. Fugenblatt mittig führen und die Fliesen nicht berühren.
  4. Silikonfugen in Ecken und Anschlüssen ebenfalls entfernen; sie werden später neu gezogen.
  5. Absaugen: Staub und Mörtelreste gründlich aus den Fugen saugen.
  6. Fliesenkanten prüfen: Lose Fliesen jetzt neu verkleben.

Achtung bei sehr alten Fliesen: In Gebäuden bis Anfang der 1990er-Jahre können Fliesenkleber und Spachtelmassen Asbest enthalten. Bei Verdacht und vor großflächigem Fräsen eine Materialprobe untersuchen lassen.

Schritt 2: Vorbereitung

  • Fugen leicht anfeuchten mit einem feuchten Schwamm, besonders bei stark saugenden Fliesen und an heißen Tagen. Das verhindert, dass der Mörtel zu schnell austrocknet.
  • Unglasierte oder poröse Fliesen (Naturstein, Cotto) vorher mit einer Schutzimprägnierung behandeln, damit der Fugenmörtel sie nicht verfärbt.

Schritt 3: Fugenmörtel anrühren

  1. Wasser in den Eimer geben, dann das Pulver einstreuen (Mischungsverhältnis nach Packungsangabe).
  2. Mit dem Rührquirl auf niedriger Stufe klumpenfrei anrühren.
  3. Reifezeit abwarten, meist einige Minuten, dann noch einmal kurz durchrühren.
  4. Nur so viel anrühren, wie du in der Verarbeitungszeit schaffst.

Schritt 4: Verfugen

  1. Mörtel auftragen: Mit dem Gummischieber eine Portion Mörtel auf die Fliesen geben.
  2. Diagonal einarbeiten: Den Schieber in einem Winkel von etwa 45 Grad schräg zu den Fugen über die Fläche ziehen und den Mörtel kräftig in die Fugen drücken. Diagonales Arbeiten verhindert, dass der Schieber den Mörtel wieder aus den Fugen zieht.
  3. Überschuss abziehen: Mit dem senkrecht gehaltenen Schieber diagonal den überschüssigen Mörtel von den Fliesen abziehen.
  4. Arbeitsweise in Abschnitten: Etwa 1 bis 2 m² auf einmal verfugen, dann waschen.

Schritt 5: Abwaschen

  1. Anziehen lassen: Warten, bis der Mörtel „anzieht“, also matt wird und auf Fingerdruck nicht mehr nachgibt. Das dauert je nach Produkt und Temperatur 10 bis 30 Minuten.
  2. Mit dem Fugenschwamm nebelfeucht, gut ausgewrungen, diagonal zur Fuge über die Fliesen wischen. Den Schwamm häufig in klarem Wasser auswaschen.
  3. Nicht zu nass: Zu viel Wasser wäscht die Fugen aus und macht sie heller und weicher.
  4. Fugen glätten: Bei Bedarf mit Fugholz oder einem runden Holzstab gleichmäßig nachziehen.

Schritt 6: Zementschleier entfernen

Nach dem Trocknen bleibt meist ein grauer Schleier auf den Fliesen.

  • Nach einigen Stunden mit einem trockenen, weichen Tuch abreiben.
  • Hartnäckige Schleier nach dem vollständigen Aushärten mit einem Zementschleierentferner behandeln. Achtung: Säurehaltige Reiniger nicht auf säureempfindlichen Natursteinen wie Marmor verwenden.

Schritt 7: Silikonfugen und Aushärtung

  • Aushärtezeit beachten: Meist 24 Stunden bis zur Begehbarkeit, länger bis zur vollen Belastung mit Wasser. Packungsangabe beachten.
  • Silikonfugen in Ecken und Anschlüssen neu ziehen, wenn der Fugenmörtel ausgehärtet ist.
  • Imprägnieren: Zementäre Fugen in Duschen mit einer Fugenimprägnierung behandeln. Sie werden weniger schmutz- und wasseraufnahmefähig.

Fugen reinigen statt erneuern

Nicht jede graue Fuge muss raus:

  • Regelmäßig mit pH-neutralem Reiniger und einer Fugenbürste reinigen.
  • Verfärbungen mit einem speziellen Fugenreiniger oder einer Paste aus Natron und Wasser behandeln.
  • Schimmel in der Oberfläche mit einem Schimmelentferner behandeln. Ist er tief eingewachsen, hilft nur Erneuern.
  • Fugenstift oder Fugenfarbe als kosmetische Lösung für intakte, verfärbte Fugen.
  • Nach dem Duschen Fliesen mit einem Abzieher trocknen und gut lüften. Das verhindert Kalk und Schimmel.

Häufige Fehler

FehlerFolge
Alte Fuge zu flach ausgekratztNeue Fuge haftet nicht, bröckelt
Mörtel in Ecken statt SilikonRisse durch Bewegung
Zu nass abgewaschenHelle, weiche, sandende Fugen
Zu früh abgewaschenMörtel wird aus den Fugen gezogen
Zu spät abgewaschenMörtel klebt fest, starker Schleier
Unterschiedliche AnmischungenFarbunterschiede

Häufige Fragen

Kann ich neue Fugenmasse über die alte streichen?

Eine dünne Schicht auf alten Fugen hält nicht. Die alte Fuge muss ausreichend tief entfernt werden.

Wie lange hält eine neue Fuge?

Bei guter Pflege viele Jahre, Epoxidfugen noch länger.

Welche Farbe ist am pflegeleichtesten?

Mittlere Grautöne oder an die Fliesen angepasste Töne. Reinweiß zeigt jede Verschmutzung.

Was mache ich mit einer gesprungenen Fliese?

Einzelne Fliesen lassen sich austauschen: Fugen um die Fliese auskratzen, Fliese vorsichtig zerschlagen und entfernen, Kleber abtragen, neue Fliese einsetzen und verfugen.

Weitere Fragen aus der Praxis

Wie lange darf ich nach dem Verfugen nicht duschen? Meist mindestens 24 Stunden, bei manchen Mörteln länger. Silikonfugen brauchen danach ebenfalls 24 Stunden. Plane das Bad für zwei bis drei Tage ein.

Kann ich nur einzelne Fugen erneuern? Ja, aber neue Fugen sehen oft heller aus als alte. Für ein einheitliches Bild lieber eine ganze Wand oder Fläche erneuern.

Warum werden neue Fugen fleckig? Häufig wurde ungleichmäßig nass abgewaschen oder unterschiedliche Anmischungen verwendet. Gleichmäßig arbeiten und den Schwamm gut auswringen.

Fazit

Verfärbte oder bröckelnde Fugen lassen sich ohne Fliesenwechsel erneuern. Kratze die alten Fugen ausreichend tief aus, sauge gründlich, wähle den passenden Fugenmörtel, arbeite ihn diagonal mit dem Gummischieber ein und wasche ihn mit gut ausgewrungenem Schwamm ab, sobald er angezogen hat. Ecken und Anschlüsse bekommen Silikon. Mit Imprägnierung und regelmäßiger Pflege bleiben die neuen Fugen lange hell.

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